„Wer bei einer Investition dieser Größenordnung genaue und belastbare Zahlen verlangt, zaudert nicht und erkauft sich auch keine Zeit, er handelt schlicht verantwortungsvoll“, erklärt der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Peter Cosack. „Ein Baubeschluss ohne ausreichende Entscheidungsgrundlage wäre ebenso falsch wie eine endgültige Absage, bevor überhaupt feststeht, welches Thermalwasserangebot zu welchen Konditionen möglich ist.“
Dank an die Stadtwerke für klare und realistische Aussagen
Ausdrücklich danken Cosack und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Markus Patzke dem Geschäftsführer der Stadtwerke Lippstadt, Siegfried Müller, für seine klaren Worte und seine Bereitschaft, den Planungsauftrag verantwortungsvoll umzusetzen.
„Es ist die Aufgabe des Stadtwerke-Geschäftsführers, die wirtschaftlichen Interessen seines Unternehmens im Blick zu behalten, vor Risiken zu warnen und der Politik keine gefälligen, sondern realistische Zahlen vorzulegen. Genau das erwarten wir von ihm“, betont Cosack, der Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke ist. „Wir brauchen eine schonungslose und belastbare Berechnung. Dazu gehören auch unbequeme Ergebnisse, mögliche Defizite, notwendige Eintrittspreise und unterschiedliche Betriebsmodelle. Es ist ein Vertrauensbeweis für den Geschäftsführer der Stadtwerke, diesen mit der Planung zu betrauen.“
Der Rat muss die gesamte Stadt im Blick behalten
Die politische Bewertung dürfe sich allerdings nicht allein auf das mögliche Ergebnis innerhalb der Bädersparte der Stadtwerke beschränken. Eine Therme könne betriebswirtschaftlich ein Defizit verursachen und zugleich gesamtwirtschaftlich erhebliche positive Wirkungen für Lippstadt entfalten.
„Die Stadtwerke müssen aus der Perspektive ihres Unternehmens rechnen. Der Rat muss darüber hinaus die Entwicklung der gesamten Stadt betrachten“, erklärt Patzke. „Eine Therme ist nicht nur ein Schwimmbad. Sie kann eine strategische Investition in den Gesundheitsstandort, den Tourismus, die örtliche Wirtschaft und damit in die Zukunft Lippstadts sein.“
Von einem attraktiven Thermalwasserangebot profitierten unter anderem Hotellerie und Gastronomie, Kliniken und Gesundheitsdienstleister, Einzelhandel, Freizeitanbieter sowie weitere private Investoren. Auch die Aufenthaltsqualität für die Bürgerinnen und Bürger und die Attraktivität Lippstadts als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort spielten bei der abschließenden Bewertung eine Rolle.
Tourismus ist Wirtschaftsförderung
Das am 12.12.2022 vom Rat beschlossene Tourismuskonzept beschreibt den Tourismus ausdrücklich als bedeutenden Wirtschaftsfaktor, von dem Einwohner, Arbeitnehmer und Unternehmen auch außerhalb der eigentlichen Tourismusbranche profitieren. Es bewertet Investitionen in den Tourismus als Wirtschaftsförderung für den gesamten Wirtschafts- und Lebensstandort Lippstadt. Zugleich hält es fest, dass öffentliche Impulsinvestitionen die Grundlage dafür schaffen können, auf der private Unternehmen anschließend eigene Angebote und Investitionen entwickeln.
Besondere Bedeutung hat dabei der Gesundheitstourismus. Bad Waldliesborn verfügt mit seiner Sole, seinen Kliniken, dem Kurpark und dem Heilbadstatus über Voraussetzungen, die andere Standorte nicht ohne Weiteres abbilden können. Das Tourismuskonzept sieht gerade in der Verbindung von Therme, Wellnessinfrastruktur, Gesundheitsangeboten sowie Kultur- und Freizeitangeboten ein erhebliches Entwicklungs- und Wertschöpfungspotenzial. Die „Therme“ ist darin ausdrücklich als eines der zentralen touristischen Leitprodukte Lippstadts benannt.
Ohne Thermalwasserangebot fehlt das touristische Kernprodukt
„Die KWL trägt Verantwortung für die touristische Entwicklung der gesamten Stadt. Aus dieser fachlichen Perspektive ist klar: Lippstadt braucht wieder ein attraktives Thermalwasserangebot“, sagt Patzke, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der KWL ist. „Ohne ein solches Kernangebot lässt sich Bad Waldliesborn auf Dauer kaum glaubwürdig und erfolgreich als Heilbad und Lippstadt als gesundheitstouristisches Ziel vermarkten. Gradierwerk, Inhalatorium, Kurpark und Veranstaltungen sind wichtig – sie können eine Therme oder ein vergleichbares Thermalwasserangebot aber nicht ersetzen.“
Die frühere Walibo-Therme wird im Tourismuskonzept als ehemaliges „Zugpferd des Tourismus“ bezeichnet. Ihre Modernisierung wurde schon bei der Erstellung des Konzeptes als große Chance angesehen, der touristischen Entwicklung einen neuen und nachhaltigen Impuls zu geben. Zugleich stellt das Konzept fest, dass sich insbesondere der wertschöpfungsstarke Übernachtungstourismus in Lippstadt bislang unterdurchschnittlich entwickelt hat.
Die CDU hält deshalb an ihrer seit Jahren vertretenen Position fest: Lippstadt braucht eine Therme beziehungsweise ein attraktives Thermalwasserangebot, sofern dieses finanziell und betrieblich in einer für die Stadt vertretbaren Form realisiert werden kann.
Keine Therme um jeden Preis – aber auch keine vorschnelle Absage
„Wir versprechen keinen Bau um jeden Preis“, stellt Cosack klar. „Aber wir verweigern uns auch nicht einer Zukunftschance, bevor die entscheidenden Zahlen vorliegen. Nach Abschluss der Planung muss der Rat ehrlich abwägen: Was bekommen wir für maximal 30 Millionen Euro? Wie hoch ist das jährliche Defizit? Welche gesamtwirtschaftlichen Effekte stehen dem gegenüber? Welche privaten Investitionen können ausgelöst werden? Und ist das Gesamtpaket für Lippstadt tragbar? Erst dann kann verantwortungsvoll über den Bau entschieden werden.“
Der aktuelle Planungsauftrag sei deshalb weder eine Vertagung noch ein Ausweichen vor politischer Verantwortung. „Politische Verantwortung besteht nicht darin, möglichst schnell Ja oder Nein zu rufen“, so Cosack und Patzke abschließend. „Sie besteht darin, eine für Jahrzehnte wirkende Entscheidung auf der bestmöglichen Grundlage zu treffen. Genau diese Grundlage wird jetzt geschaffen.“
16. Juli 2026

